29.09.1929 Erstflug der Junkers G-38


Am 29. September 1929 rollte auf dem Flugplatz Dessau ein Koloss auf das Rollfeld, der die Grenzen der damaligen Luftfahrt sprengte: Die Junkers G 38 hob zu ihrem Erstflug ab. Mit einer Spannweite von 44 Metern war sie zu diesem Zeitpunkt das größte Landflugzeug der Welt. Doch es waren nicht allein die monumentalen Ausmaße, die für weltweites Aufsehen sorgten – es war das revolutionäre aerodynamische Konzept von Hugo Junkers, das bis heute die Vision moderner Großraum- und Nurflügelflugzeuge prägt.


Technische Daten im Überblick


Die G 38 war eine logische Fortführung von Hugo Junkers’ Philosophie der Ganzmetallbauweise aus Duraluminium, kombiniert mit dem charakteristischen Wellblech zur Stabilisierung.


ParameterKenngröße (G 38 a / Werknummer 3301)
Spannweite44,00 m
Länge23,21 m
Höhe7,20 m
Max. Startmasseca. 24.000 kg
Triebwerke4 wassergekühlte Motoren (urspr. 2× L8 & 2× L88, später Junkers Jumo)
Reisegeschwindigkeitca. 180–200 km/h
Reichweiteca. 3.500 km
Passagierkapazität13–19 (später bis zu 34 bei der G 38 ce)



Junkers G38
Quelle:commons.wikimedia.org, gemeinfrei


Passagiere in den Tragflächen


Bereits 1910 meldete Hugo Junkers das wegweisende Patent für ein „Gleitflugzeug ohne Rumpf und Leitwerk“ (Nurflügler) an. Seine Kernthese: Bei konventionellen Flugzeugen erzeugt der Rumpf nur schädlichen Luftwiderstand, trägt aber nicht zum Auftrieb bei. Die ideale aerodynamische Form sollte alles – Triebwerke, Tanks, Fracht und Passagiere – im tragenden Flügel selbst beherbergen.

Hugo Junkers vor einer G38
Quelle:commons.wikimedia.org, gemeinfrei

Die G 38 bildete den mutigen Zwischenschritt zu dieser Vision. Zwar besaß sie noch einen Rumpf und ein doppeltes Leitwerk, doch ihre Tragflächen waren an der Wurzel fast zwei Meter dick. Dies ermöglichte Konstruktionsdetails, die damals wie Science-Fiction wirkten:

Quelle:wikimedia.org, gemeinfrei

Passagierkabinen in der Tragflächennase: Vor den Triebwerken befanden sich auf jeder Seite Panorama-Sitze. Die Fluggäste blickten durch geschwungene Zelluloid-Fenster direkt in Flugrichtung nach vorne – ein Reiseerlebnis, das bis heute unerreicht ist.

Quelle:wikimedia.org, gemeinfrei

Fliegende Mechaniker: Die enorme Flügeltiefe erlaubte es Flugingenieuren, während des Flugs durch die Tragflächen zu den Motoren zu klettern, um Inspektionen und kleinere Reparaturen in der Luft vorzunehmen.

Junkers G38 Kabine
Quelle:wikimedia.org, gemeinfrei


Luxus an Bord: Im zweistöckigen Rumpf und den Flügeln fanden die Reisenden ein Bordbistro, separate Waschräume, Schlafkabinen und bequeme Sessel vor – der Vorläufer des modernen Großraum-Passagierflugzeugs.


Flugdienst bei der Lufthansa


Insgesamt baute Junkers nur zwei Exemplare:


Junkers G38 D-2000 (später D-AZUR, Werknummer 3301)
Quelle:flughafenbb.com

D-2000 (später D-AZUR, Werknummer 3301), Sie wurde 1930 an die Deutsche Luft Hansa übergeben, stellte mehrere Weltrekorde für Reichweite und Zuladung auf und flog auf Routen wie Berlin–London, Berlin–Paris und Berlin–Rom. Sie verunglückte 1936 nach einer Wartung in Dessau.

D-2500 (später D-APIS, Werknummer 3302)
D-2500 (später D-APIS, Werknummer 3302) Quelle:wikimedia.org, gemeinfrei

Die weiterentwickelte G 38 ce bot Platz für bis zu 34 Passagiere. Sie diente bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs zuverlässig im zivilen Liniendienst, wurde danach als militärischer Truppentransporter genutzt und 1941 bei einem britischen Luftangriff in Athen zerstört.

Obwohl die G 38 kein kommerzieller Massenerfolg wurde, war ihr technologischer Einfluss enorm. Das japanische Unternehmen Mitsubishi erwarb eine Lizenz und baute auf Basis der Pläne den schweren Bomber Ki-20, von dem sechs Exemplare gefertigt wurden.

Quelle:Von SDASM Archives - Flickr, Gemeinfrei,

Die G 38 bewies Ende der 1920er-Jahre, dass der zivile Luftverkehr nicht länger auf enge, zugige Metallröhren beschränkt sein musste. Sie war der Wegbereiter für das, was wir heute als Blended Wing Body (BWB) kennen – Rumpf-Flügel-Integrationskonzepte, an denen Flugzeughersteller und Forschungsinstitute bis heute arbeiten, um Treibstoffverbrauch und Lärmemissionen moderner Großraumflugzeuge drastisch zu senken.

Quelle:wikimedia.org, gemeinfrei

Für Enthusiasten, die dieses monumentale Stück Luftfahrtgeschichte im Kleinformat auferstehen lassen möchten, bietet der Plastikmodellbau nur rar gesäte Möglichkeiten. Der bekannteste und am weitesten verbreitete Bausatz stammt von Revell im Maßstab 1:144 (z.B. Kit Nr. 04021 oder 04053). Dieser Bausatz fängt die charakteristische Wellblechstruktur und die gewaltigen Dimensionen der G 38 trotz des kleinen Maßstabs detailliert ein und ermöglicht den Bau beider ziviler Versionen (D-2000 und D-APIS) oder sogar der militärischen Variante. Obwohl er nicht immer im aktuellen Revell-Sortiment geführt wird, ist er oft auf dem Zweitmarkt, Sammlerbörsen oder Online-Auktionsplattformen gut zu finden.

Zum Schluss möchte ich euch noch das "Hugo Junkerstechnik Museum" in Dessau empfehlen. Es wird von einem privaten Verein betrieben und ist einen Besuch wert. Wer mehr darüber lesen möchte finden den Link auf der rechten Seite oder "Hier".

Peter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen